Wir über uns


Zur Geschichte von ascolta


Das Stuttgarter Ensemble ascolta ging aus dem unter dem Dach von „Musik der Jahrhunderte" gegründeten Ensemble Varianti hervor, welches bis Anfang der 2000er Jahre zeitgenössische Musik in variablen Ensemble- und Kammermusikbesetzungen im In- und Ausland aufführte. 

Nach der Auflösung von Varianti und einer Umstrukturierung präsentiert sich ascolta seit 2003 als Nachfolgeensemble in fester, kammermusikalischer Besetzung mit Trompete, Posaune, zwei Schlagzeugern, Klavier/Sampler, Violoncello/E-Cello und Gitarre/E-Gitarre/E-Bass. Dieses Klangbild mit tiefen, ursprünglichen Farben, vielen spektralen Möglichkeiten sowie einer starken Konzentration auf Blech- und Rhythmusinstrumente will die derzeitige Ensemblelandschaft substanziell erweitern und ergänzen. Die begeisterten Reaktionen aus der zeitgenössischen Musikszene bestärkten die ascolta-Musiker von Beginn an in der Überzeugung, mit dieser neuartigen Besetzung auch neuartige klangliche und künstlerische Positionen artikulieren zu können.

Ziele

Die Neugründung des Ensembles wurde wesentlich getragen vom Wunsch, eigene Koordinaten für die Arbeit festzulegen. Der allseits übliche Zeitdruck prägt mittlerweile leider auch vielfach die künstlerische Produktion. Ascolta bemüht sich, nicht nur bei der Einstudierung der Werke unzeitgemäße Ruhe, Verantwortung und Sorgfalt herrschen zu lassen, sondern auch bei der Auswahl von Repertoire und der Entwicklung neuer Bühnenkonzepte.

Die Mitglieder, die teilweise auch solistisch, als Komponisten und als Hochschullehrer tätig sind, sehen es als ihre Aufgabe an, den Komponisten während des Kompositionsprozesses so weit wie möglich zum Experimentieren zur Verfügung zu stehen. Jedes Mitglied übernimmt zudem Aufgaben der künstlerischen Leitung und des Managements.

In der Vergangenheit hat es sich immer wieder gezeigt, dass die Blüte von bestimmten Sparten des Repertoires und damit ganze musikgeschichtliche Entwicklungen untrennbar mit dem außergewöhnlichen Engagement einzelner Personen oder Klangkörper verbunden ist. Umgekehrt kann sich ein Komponist, der sich ein bestimmtes Klangbild wünscht, in der Regel nicht artikulieren, wenn die vorhandenen Ensembles dieses Klangbild nicht anbieten können bzw. nicht fördern wollen. Schon in den Vorgesprächen mit Komponisten wurde immer wieder die Einschätzung zum Ausdruck gebracht, ascolta könne durch die Pflege eben dieses Klangs ein umfangreiches Repertoire ermöglichen, das im besten Sinne zeitgemäß ist. 


Konzerttätigkeit und Repertoire

Aus der Zusammenarbeit mit dem SWR Stuttgart und dem Festival Eclat entstehen seit Ensemblegründung jedes Jahr bedeutende Werke für ascolta: 2013 entstand hier das multimediale Musiktheater "Inszenierte Nacht - Lesung nach den Buchstaben der Klassiker" von Simon Steen-Andersen, das seither international weiter gespielt wird. In den vergangenen Jahren wurden Kompositionsaufträge u.a. an Birke Bertelsmeier, Dror Feiler, Anna Korsun, Matthias Krüger, Brice Pauset und Hans Thomalla vergeben. Für 2018 entstehen neue Werke für ascolta von Gordon Kampe, Stefan Keller, Sven-Ingo Koch und Georgia Koumara.


2006 wurden - neben der Uraufführung von Olga Neuwirths "Spazio Elastico" - neue Werke von Rolf Riehm und Michel Roth aufgeführt, das Ensemble trat erstmals beim Festival in Luzern, bei den Weltmusiktagen in Stuttgart und bei den Tagen für Zeitgenössische Kammermusik in Witten auf. Ebenfalls 2006 entstanden in Zusammenarbeit mit dem „Forum Neues Musiktheater" der Staatsoper Stuttgart zwei Opernproduktionen von Hans Tutschku und Hans Thomalla.

2004 trat das Ensemble auf Einladung des SWR in der Reihe „ars nova" mit einem Programm „Music for Marcel Duchamp" in Trier auf - neben Werken aus dem unmittelbaren Umkreis von John Cage und Marcel Duchamp standen dabei umfangreiche Aktionen zahlreicher Fluxuskünstler im Mittelpunkt. Im Cagejahr 2012 und im Fluxusjahr 2013 griff ascolta diese Thematik in umfangreichen Konzertprogrammen wieder auf. Eine filmische Kurzdokumentation des Fluxus-Programms findet man hier.


Seit 2006 arbeitet ascolta an einem Projekt mit der Musik von Frank Zappa. In einem vom Hauptstadtkulturfond geförderten Konzert am 14. Juli 2007 in Berlin präsentierte das Ensemble bisher unveröffentlichte Synclavierwerke von Frank Zappa in eigenen Arrangements für die ascolta-Besetzung. Dazu entstand in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur eine Produktion, die im Zappa-Label in Los Angeles erscheinen soll. Nach Konzerten in Stuttgart, Huddersfield und Dresden-Hellerau präsentierte ascolta im September 2013 beim Lucerne Festival neue Arrangements der "Maschinenmusik" von Frank Zappa und Conlon Nancarrow.


In Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie Stuttgart entstand 2004 ascoltas Filmprojekt unter dem Titel „Gehörgang ins Auge". Zu diesem Anlass vergab ascolta zunächst fünf Kompositionsaufträge zu experimentellen Stummfilmen der 1920er Jahre von Oskar Fischinger und Hans Richter. Seit 2006 entstanden dann in Kooperation mit ZDF/ARTE und dem ZKM Karlsruhe weitere Film-Kompositionen von Sven-Ingo Koch, Olga Neuwirth, Martin Smolka u.a., die ascolta in zwei Staffeln für eine DVD-Veröffentlichung produzierte und die in der Folge mehrfach ausgestrahlt wurden.
Das Filmprojekt wird ständig weiter entwickelt: seit 2008 entstanden neue „Film-Musiken" von Carola Bauckholt, Clemens Gadenstätter, Georg Katzer, Martin Smolka, Friedrich Schenker und Iris ter Schiphorst, die in Mainz (SWR ars nova), Leipzig (MDR Musiksommer), Dresden (Tonlagenfestival Hellerau), Salzburg (Biennale), Baku/Aserbaidschan und Hannover (Kunstfestspiele Herrenhausen) aufgeführt wurden. Am 8. und 9. Oktober 2011 veranstaltete ascolta ein Festivalwochenende mit Konzerten, Symposium, Filmnacht und Podiumsdiskussionen zusammen mit der Musikhochschule und der Kunstakademie Stuttgart, in dessen Rahmen erstmals auch aktuelle Filme mit neuer Musik kombiniert wurden. In dem  von der Bundeskulturstiftung geförderten Projekt Gebrauchsanweisungen schufen je vier Komponisten und Videokünstler ihre Arbeiten nach Vorgaben des Ensembles, die zu einem abendfüllenden, audio-visuellen Dialog kombiniert wurden. Die Uraufführung fand bei Wien Modern 2014 statt, weitere Aufführungen 2015 in Rheinsberg, in der SWR-Reihe ars nova in Rottweil und bei den Lachenmann-Perspektiven in der Stuttgarter Liederhalle (November 2015). Bei den Wittener Tagen für zeitgenössische Kammermusik fand im April 2016 die Uraufführung des abendfüllenden Stummfilmklassikers "Schatten" mit der Musik von Johannes Kalitzke  statt. Im September folgte eine weitere Aufführung von "Schatten" in der Stuttgarter Liederhalle; in einem Nachkonzert präsentierte das Ensemble zudem neue Filmwerke von Studierenden der Baden-Württembergischen Filmakademie in Ludwigsburg zu bestehenden Filmmusiken aus dem ascolta-Repertoire.


Seit 2009 bewegt sich ascolta mit seinem Programm "Bühnen/Szenen" auf dem Grat zwischen herkömmlicher Konzertsituation und szenischer Darstellung. So entstand in enger Zusammenarbeit mit Elena Mendoza, Trägerin des spanischen Nationalpreises, das Werk "Fragmentos de teatro imaginario". 2010 und 2011 folgten neue Werke von Hans-Joachim Hespos, Rolf Riehm und Jenny Walshe. Im Herbst 2017 wird ascolta ein abendfüllendes Programm mit szenisch-musikalischen Werken von Francesco Filidei beim Festival Ultima in Oslo und beim Gogolfest in Kiev/Ukraine präsentieren.


Konzertreihe


Seit 2008 veranstaltet ascolta, gefördert vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart, eine eigene Konzertreihe unter dem Namen "ascolta plays..". In der Reihe werden aktuelle Werke und Produktionen dem heimischen Stuttgarter Publikum präsentiert.


Fördersituation


In Würdigung der jahrelangen künstlerischen Arbeit hat 2011 die Stadt Stuttgart und 2016 das Land Baden-Württemberg das ensemble ascolta in die institutionelle Förderung übernommen.