ascolta plays Zappa


"Geht nicht gibt's nicht"  (Dresdner Neue Nachrichten)


Ausgangspunkt des Projekts war ein viel beachteter Auftritt von ascolta beim ISCM World New Music Festival am 22. Juni 2006 im Theaterhaus Stuttgart, welcher live im DeutschlandRadio übertragen wurde. In der "Zappa Late Night" kamen neben Jazzrock- und Rockstücken der 70er und 80er Jahre auch einige der noch weitgehend unbekannten, vollständig auskomponierten (aber nie ausnotierten) Stücke für Synclavier der frühen 1990er Jahre zur Aufführung. 


Diese späten Werke Zappas erscheinen im Nachhinein wie eine Art Brennspiegel seines Schaffens: Sie vereinigen viele Elemente von Zappas experimenteller Neuer Musik, die ihm so sehr am Herzen lag, und von der etwa die Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern zeugt, mit dem Vokabular der Jazz- und Rockmusik, für die er weltberühmt geworden war.


Die Stücke für Synclavier sind nur sehr begrenzt zugänglich: Eine winzige Auswahl ist auf CD veröffentlicht, der weitaus größere Teil liegt im Hause der Zappa-Erben. Bereits im Entstehungsprozess des ersten Zappa-Projektes ist ascolta durch Frank Zappas Witwe, Gail Zappa, in Aussicht gestellt worden, zusätzlich zum bestehenden Programm einige der unveröffentlichten, noch nie gehörten Werke für Synclavier für die Bühne arrangieren zu dürfen und so erstmals dem Publikum zur Verfügung stellen zu können.


ascolta plays Frank Zappa


Im März 2007 machte sich schließlich eine vierköpfige Delegation des Ensembles nach Los Angeles auf, um dort die technisch zugänglichen Bestände an elektronischer Musik und die Archive zu sichten. Im Verlauf dieser Recherchen wurde mit Gail Zappa eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart — mit dem Ziel, möglichst viele dieser unveröffentlichten späten Stücke Zappas für ascolta zu arrangieren, sie auf die Bühne zu bringen und auf Tonträger zu veröffentlichen. In einem ausverkauften Konzert im Berliner Radialsystem am 14.7.2007 standen bereits vier Stücke aus eben jenem Werkkomplex im Mittelpunkt. In Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur hat ascolta diese vier neuen Stücke zusammen mit einigen Jazz- und Rockstücken in den Tagen vor dem Berliner Konzert in den atmospherisch und akustisch ausgezeichnet geeigneten Studios des Filmorchester Babelsberg auf CD eingespielt. Die Aufnahmen sollen beim Zappa Label in Los Angeles erscheinen. Das Ensemble ascolta — als Spezialistenensemble für Neue Musik — begegnet diesen Werken natürlich aus einem spezifischen Blickwinkel: Freie Elemente und festgefügt Auskomponiertes sind bei den Synclavier-Stücken Zappas in einer Weise verwoben, die für herkömmliche Rock- oder Jazz-Musiker kaum zu realisieren ist. Die rhythmische Komplexität verlangt ausgedehnte Probenphasen, und die stilistische Situation auf den Grenzen zwischen allen Genres erfordert extrem breitgefächerte Erfahrung. Die Arrangements stammen vom Posaunisten des Ensembles, Andrew Digby, einem anerkanntem Komponisten der Neuen Musik, und vom Zappa-Kenner und ascolta-Gitarristen Hubert Steiner.


Video

ascolta plays Zappa live beim Tonlagen Festival in Dresden-Hellerau 2009



Frank Zappa: Ouverture to Uncle Sam (Livemitschnitt)



Frank Zappas musikalischer Background


Während seiner Kindheit zog Zappas Familie sehr oft um, quer durch die USA, wobei sie nie sehr lange an einem Ort blieb. Zappa, ein Sohn von Immigranten aus Sizilien, suchte Akzeptanz unter seinen Altersgenossen, indem er den Klassenclown spielte. Autodidaktisch brachte er sich zuerst das Schlagzeugspielen, bei, erst mit 19 Jahren das der Gitarre. Zappa arbeitete nahezu wie ein Besessener und ernährte sich scheinbar hauptsächlich von Kaffee und Zigaretten. Er schrieb Songs über das Leben, das er erlebte: über Freunde, Freaks, Sexspielzeug, Zahnseide, er machte sich lustig über Groupies und die Hippie-Kultur und hatte keinerlei Ehrfurcht vor Politikern. Das Tonbandgerät war fast immer im Einsatz. Beinahe jede Tonaufnahme oder allgemeine Beobachtung konnte in seinem Schaffen einen Platz finden, Zappa bastelte alles zusammen, was nur passte (in diesem Punkt gleicht er etwa James Joyce) — und dabei bediente er sich souverän aller musikalischer Vorbilder, Mittel, Genres und Stile, die er vorfand: neben R+B, seinen geliebten Varèse und Stravinsky (denen er beiden persönlich aber nie begegnet ist) waren das v.a. Folksongs, Märsche, Pastiche und Persiflage, Jazz, Musiktheater, freie Improvisation, konkrete und elektronische Klänge, atonale Rockmusik in wechselnden und irregulären Metren. Er bemühte sich, jede ihm begegnende oder auferlegte Grenze zu überschreiten. So bewegte er sich quer durch alle musikalischen Genres, bis an die Grenzen der Spielbarkeit und frei über alle stilistischen Abgrenzungen — und, wie manche meinen, nicht selten über die Grenzen des guten Geschmacks hinweg.

So ist Frank Zappa für den einen der Bürgerschreck, für den anderen ein Meister der Rockgitarre, für noch einen anderen ein Komponist mit schier unermüdlicher Energie und unerschöpflichem Erfindungsreichtum. Kurz: Eine amerikanische Ikone.


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